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Oberpleichfelder Bürgermeister Raimund Hammer erlag seinem Krebsleiden

Das Amt als Lebenselixier

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Im Alter von 67 Jahren ist am Donnerstag, 2. Oktober, der Oberpleichfelder Bürgermeister Raimund Hammer gestorben. Seine vor zwei Jahren diagnostizierte Krebserkrankung war im Dorf bekannt aber kein Thema gewesen. Bürgermeister Hammer hat ungern darüber gesprochen und mit Herzblut seine Amtsgeschäfte weitergeführt. Erst im März dieses Jahres war er als Ortsoberhaupt der 1100-Seelen-Gemeinde wiedergewählt worden.

Sein Tod hat überrascht. Als aber das Totengeläut der Pfarrkirche St. Peter und Paul am Donnerstagnachmittag besonders lange anhielt, war den Ortsbewohnern bewusst, dass das Glockengeläut das Ableben ihres Bürgermeisters bekannt gab. Genau eine Woche vor seinem Tod hatte Raimund Hammer noch eine Gemeinderatssitzung geleitet. Sie musste aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands abgebrochen werden. Gestorben ist er im Krankenhaus, in das ihn seine Frau Helga am Montag einliefern ließ.

Über 40 Jahre lang war der „waschechte Oberpleichfelder“ in der Gemeindepolitik aktiv gewesen und hat zudem viele Ehrenämter in Ortsvereinen ausgeübt. 1974 hatte ihn der damalige Bürgermeister Josef Bach zum Gemeindekassier bestellt. Mit 31 Jahren ist Hammer 1978 erstmals zum Bürgermeister gewählt worden. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Rücktritt 1984 inne. 1989 gründete Hammer mit Freunden die Unabhängige Liste Oberpleichfeld (ULO). Die Freien Wähler sind seit 1990 eine feste Größe im Oberpleichfelder Gemeinderat.

1996 wurde Raimund Hammer wieder in den Gemeinderat und 2008 erneut zum Bürgermeister gewählt. Er war stellvertretender Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Bergtheim und Mitglied in den beiden Schulverbänden Unterpleichfeld und Bergtheim sowie im Abwasserzweckverband Obere Pleichach.

„Wenn du nahe am Bürger sein und etwas erreichen willst, musst du dich engagieren“, war einer seiner Grundsätze. Für ihn war das Amt eine Berufung, sein Lebenselixier. Er wollte immer „die Lebensqualität verbessern“. Das tat er etwa mit Bauobjekten für Kinder und Sportler, mit Sanierungen im Dorf und Friedhof, mit Förderungen der Ortsvereine oder der Ausweisung eines neuen Baugebiets.

Noch wichtiger war es dem früheren Sonderschullehrer, sich für Kinder, Senioren und Benachteiligten zu engagieren. Raimund Hammer hat stets großen Wert auf Ferienprogramme, die Förderung des JUZ, das Aktivieren von Spielplätzen oder den Ausbau von Fahrradwegen gelegt. Er holte sich gern den Rat der Älteren, die „das Dorf aufgebaut haben“. Auch die Förderung der Kultur im Dorf war ihm ein Anliegen. Zudem hat er Hilfstransporte für die Klosterschwestern eines Jesuitenordens organisiert, die in verschiedenen Region Polens Kindergärten, soziale Einrichtungen und Heime für behinderte Kinder betreuen.

Raimund Hammer war ein Menschenkenner. Er wusste, „wie die Menschen ticken“ und hatte Talent darin, ihre Fähigkeiten zu entdecken, zu nutzen und zu fördern. „Oberstes Ziel meines Handelns ist die Menschlichkeit“, hat er noch im November bei seiner Nominierungsversammlung erklärt. Alle Generationen – von der Krabbelgruppe bis zu den Senioren – sollten ein gutes Miteinander im Dorf pflegen.

Dass Raimund Hammer bis zuletzt aktiv war, bestätigen alle politischen Weggefährten. „Er hat immer Ideen geschmiedet und die Fäden in der Hand gehabt“, bescheinigt ihm Gemeinderat und ULO-Mitglied Franz-Josef Hartlieb. „Die Gemeinde war sein Leben bis zuletzt. Er hat für seine Projekte gelebt“, beschreibt auch Bürgermeister Konrad Schlier aus Bergtheim, der sein Amtszimmer quasi Tür an Tür mit Raimund Hammers Arbeitsplatz im Bergtheimer Rathaus hatte.

„Ich habe den Eindruck, dass ich mit meiner ruhigen, offenen Art bei den Menschen ankomme und nahe am Bürger bin“, hatte Bürgermeister Hammer sich im Vorfeld der letzten Wahl selbst gesehen. Seine Stärken seien neben dem Sachverstand und Erfahrungsschatz Eigenschaften wie Verhandlungsgeschick, Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Toleranz, Verantwortungsbewusstsein, Heimatverbundenheit und Nervenstärke.

Raimund Hammer hinterlässt eine politische und menschliche Lücke. „Neben seiner Familie ging ihm die Gemeinde über alles“, sagt seine Frau Helga. Sie fühlt sich in ihrer Trauer vor allem getragen von den vier erwachsenen Kindern (eine Tochter und drei Söhne), den sechs Enkelkindern und einem kleinen Urenkelchen.

Das Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz (GLKrWG) sieht vor, dass innerhalb von drei Monaten nach dem Tod eines Bürgermeisters Neuwahlen stattfinden sollen. Im Moment führt der dritte Bürgermeister von Oberpleichfeld, Norbert Reichert die Amtsgeschäfte, weil der zweite Bürgermeister Norbert Klüpfel erkrankt ist.

Quelle: MainPost    Text: Irene Konrad

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